I need a Dollar…immediately!

25 Aug

(via)

„Chronisch pleite“ sollte in den ICD (International Classification of Diseases) aufgenommen werden. Einzuordnen in die Klassen Z00-Z99: „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“. Tagtäglich muss ich nämlich mit einer Krankheit leben, die meinen Alltag bestimmt und deren Symptome schleichend kommen und hartnäckig bleiben.

Keine neuen Klamotten, kein Urlaub, kein Essen beim tollen Koreaner, ewiges Rechtfertigen vor der Bafögtante, penibles Auseinanderklabüstern des Gehaltes und dennoch: Am Ende des Geldes bleibt jedes Mal noch zu viel Monat.

Mein Leidensweg als Pleite-Geier beginnt schon im frühen Kindesalter: Vage erinner ich mich an ein ernsthaftes Gespräch mit meinem Vater. Ich muss 7 gewesen sein. Es ging um Nagellacke, die man nicht einfach ohne zu bezahlen mitnehmen darf. Aber diese ganzen bunten Farben…Später mussten große Klamottenketten dran glauben, hätte man mir damals nur rechtzeitig den Hintern versohlt!

Die kriminelle Karriere hängt nun am Nagel, das ewige Geldproblem bleibt mein treuer Begleiter. Als Student lernt man später die Vorzüge von Studienkrediten kennen. Den einen hier, den anderen da und schwupps! Meine Excel-Tabelle, die auf den Namen „Monopoly.xls“ hört (Bekannte wissen um meine besondere Beziehung zu diesem Spiel), sammelt brav alle Schulden zusammen, um sie mir dann unverfroren ins Gesicht zu schlagen: Tausende Euronen, deren Besitzer nicht ich, sondern die Banken sind und für die ich lange bluten werde.

Wer meint, Bafög sei die bessere Alternative, der täuscht sich – klar, die Hälfte des Geldes ist geschenkt (die andere Hälfte wird in Monopoly verbucht), doch dafür muss man auch die Hosen runterlassen. Nicht nur ein bisschen. Komplett! Lohnabrechnungen einreichen, Wohnsituation rechtfertigen, Angaben zu den Geschwistern machen. Auch die Eltern müssen dran glauben und wehe dem, dessen Formalien nicht ins Schema passen. Wenn dazu dann noch zwischenmenschliche Probleme mit der zuständigen Sachbearbeiterin auftauchen, na Halleluja! Es ist ein Spießrutenlauf, auf den Strich zu gehen wär wohl einfacher…

Dazu kommt diese beschissene 400€ Grenze. Welcher Idiot hat sich damals ausgedacht, dass man als Bafög-Empfänger nicht mehr als 400€ verdienen darf?! Alles, was darüber geht, wird dann wieder von Vater Staates Geld abgezogen. Leider Gottes gilt die Regelung bundesweit, da nur Insider wissen können, dass man in Castrop-Rauxel günstiger lebt als in München. Warum man dann als 25-Jährige auch noch kein Kindergeld bekommen und sich zusätzlich selbst versichern darf, bleibt mir ein Rätsel.

Rätsel gibt es einige in der Welt der Selbstfinanzierer. Wenn mir nur jemand die Lösungen verriete, ich wäre ihm zutiefst verbunden.

3 Antworten to “I need a Dollar…immediately!”

  1. paulin 26/08/2012 um 11:32 #

    so wahr…

  2. Vickie 18/10/2012 um 14:00 #

    Ja diese Krankheit sollte echt ernst genommen werden. Es ist wirlich nervig und langsam beschleicht mich das Gefühl, dass es ein Dauerzustand ist und auch wenn wir älter werden, vielleicht die gleichen Probleme uns trotzdem verfolgen. Erwachsen werden kann manchmal schwer sein.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Muuuh « eigensinnlich - 27/09/2012

    […] Naja, wenigstens gibt’s Schokoriegel und 15€ als Entschädigung – bei der Möglichkeit einmal die Woche dort aufkreuzen zu können, ein kleiner Lichtblick auf der Reise einer Bafög-Verfluchten… […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: