Pangasius Mogelpackung

8 Okt

(via)

Bereits im März lief im Ersten eine Reportage über die „Pangasius-Lüge“ und ihre Auswirkungen, gestern Abend wurde der Beitrag im NDR wiederholt – der Film liefert, neben dem faden Geschmack und dem geringen Nährstoffgehalt, einen Grund mehr, sich diesen Fisch nie wieder auf den Teller zu holen.

Rückblick: Der Süßwasserfisch, der ursprünglich aus den Flusssystemen des Mekong und des Chao Phraya in Thailand, Vietnam, Laos und Kambodscha stammt, wird seit rund 20 Jahren vor allem im Mekong-Delta in Vietnam in riesigen Becken künstlich gezüchtet und mutierte damit zum vermeindlichen Liebling der Meeresschützer, deren gefährdeter Wildfisch nunmehr in Ruhe gelassen würde. Leider hat diese Illusion nicht nur einen Haken: Pangasius füttert man mit Fischmehl – Fischmehl wird aus Wildfisch hergestellt. Dabei wird nicht darauf geachtet, ob der Wildfisch schon ausgewachsen und geschlechtsreif ist, geschweige denn, ob auch gefährdete Arten in den Netzen landen – die Fütterung der Pangasius-Zucht bedeutet gleichzeitig auch weiterhin eine Leerfischung der Meere.

In den letzten Jahren nahm vor allem auch in Deutschland der Verbrauch des Weißfisches deutlich zu. Als (un)beliebtes Mensamenü, (un)günstiges Familienessen und (un)gesundes Hauptgericht. Hauptsache billig lautet die Devise, wenn es um unsere Nahrung geht. Dass wir dafür Tierquälerei, antibiotikaverseuchte Produkte und menschenverachtende Herstellungs-verfahren in Kauf nehmen, ist längst kein Geheimnis mehr. Trotzdem sind wir ganz vorne mit dabei, wenn es um die Abnahme des vietnamesischen Zuchtfisches geht, geblendet vom romantischen Meereskutter, der auf der Verpackung in der Südsee tuckert.

Um auf die Reportage zurückzukommen: Auf ihrem Weg in Pangasius-Zuchtfabriken, wird die Fischexpertin Catherine Zucco von der Umweltorganisation WWF, dem „World Wide Fund For Nature“, von einem Filmteam begleitet, um Einblicke zu erhalten in die Abartigkeiten dieser Fischindustrie – da kommt Einiges zusammen. Von den unsauberen Zuchtbedingen, der mangelhaften Abwasserversorgung der Züchtungen, die ihre Chemikalien, den Fischkot und die toten Tiere einfach wieder in den Fluss zurückleiten über den imensen Medikamenteneinsatz während der Fütterung (bis zu 50 verschiedene Antibiotika werden beigemischt) bis hin zum traurigen Lebensende der Tiere, die von der „Ernte“ bis zur Weiterverarbeitung rund 24 Stunden zu Hunderten in Körben ersticken und in ihrem eigenen Blut ersaufen und den unterirdischen Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter, die den Flusswels weiterverarbeiten. Die Verbrechen entlang der Produktionskette des Pangasius werden zu unserem Armutszeugnis: ein kaum nach Fisch schmeckendes Filet neben Tiefkühlgemüse und Mehlsauce, mmh lecker!

Es ist ein Teufelskreis, der erst gebrochen werden kann, wenn wir als Konsumenten diesen Fisch nicht mehr kaufen. Erst wenn die Nachfrage sinkt, muss das Angebot zurückgehen. Erst wenn wir wieder auf Qualität setzen, muss Qualität auch hergestellt werden. Wir sollten uns mehr mit dem, was wir unserem Körper zum Leben geben, auseinandersetzen, sonst werden Lungenentzündungen in Zukunft mit einem Stück Fisch geheilt – wenn bis dahin nicht schon alle Viren gegen jegliche Form des Antibiotika resistent geworden sind…

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