Eine Odyssee

16 Sep

(via)

Ich hasse die Bahn. Ich hasse die Bahn. Ich hasse die Bahn. Ist ein Artikel lesenswert, der mit „Ich hasse…“ anfängt? Meiner Meinung nach nicht, aber anders ist die Odyssee, die mir das deutsche Reiseimperium bescherrt hat, nicht zu bewerten: purer Hass!

Es ereignete sich zu einer Zeit, in der unschuldige Bürger auf ihrem langen Weg in den Schoss der Familie seelenruhig auf die Abfahrt ihres Zuges warteten und nicht die leiseste Ahnung hatten, was ihre Reise noch bringen würde. Dass ein Zug 5-10 Minuten später abfährt als geplant, gehört bei der Bahn mittlerweile zum guten Ton. Dass eine panischgewordene Mittfünfzigerin in viel zu großen  Schaffnerklamotten jedoch durchsagt, der Führer säße auf der Lok, um rausgefallene Sicherungen wieder in Ordnung zu bringen, dieser Umstand könne einige Minuten in Anspruch nehmen, lässt einen schon sauer aufstoßen. Immerhin hat man noch 600 km Strecke vor sich, es ist bereits nach 18 Uhr und die dunkle Erinnerung an die Abfahrtszeit des letzten Anschlusses nach Hause, wird zum ersten kleinen Magengeschwür einer langen auf Stress-basierenden Krankenakte.

Man zeigt sich jedoch geduldig. Immerhin haben Andere ein noch härteres Los gezogen: Sie kommen ja schließlich jetzt 20 Minuten später im Nachbardorf an. Da fällt eine Nacht im Hotel wegen Verpassen der letzten Heimreisemöglichkeit gar nicht so schwer ins Gewicht. Nach einigen Durchsagen der gestressten Schaffnerin und viiiielen Momenten später steht die Entscheidung dann fest – dieser Zug verlässt den gießener Bahnhof nicht mehr. Also raus da, rein in den Nächsten, eine Stunde später und langsam nervös werden. Die neue Hoffnung soll bis nach Kassel durchfahren…Puh! Glück gehabt, dann schaff ich wenigsten den nächsten ICE nach HH.

Doch zu früh gefreut. Man sollte wohl aufhören, wenns am schönsten ist! „Meine sehr veehrten Fahrgäste, ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit“ (leises Aufstöhnen im Abteil) „Dieser Zug wird in Wabern enden“ (Where the fuck is das denn?) „Bitte steigen Sie alle aus, Sie erhalten dort Anschluss nach Kassel. Wir bitten Sie dies zu entschuldigen“ (WAAAS??!) Na klasse, den nächsten ICE kann ich mir also auch abschminken! Jetzt gibts nur noch eine Chance, um in HH den letzten Zug nach Kiel zu bekommen – ich setz alles auf diese Karte. In Kassel am Servicepoint angekommen dann der nächste Schockmoment: „Wir wissen leider noch nicht, ob der ICE nach Hamburg pünktlich sein wird, wenn Sie möchten, können Sie hier im Hotel schlafen.“ Auf gar keinen Fall! Ich bin nicht 3 Stunden unterwegs, um dann 100km vom Ausgangsort im Hotel zu pennen! Also hoffen. Und essen. Am besten Nervennahrung. Ah, ein McDonalds.

10 Minuten und 10 ChickenMcNuggets später Mama anrufen, ausheulen, Schatzi anrufen, trösten lassen, am Gleis warten. „Auf Gleis 3 fährt ein, ICE 57 866 nach Hamburg Hauptbahnhof. Dieser Zug hält in Abschnitt bla.“ Puh, ich bin gerettet. Erstmal einstei..wo ist mein Koffer? Wo zu Teufel ist mein verdammter KOFFER???!! NEEEEIIINN! bei MCDONALDS!! Der ICE hält, ich renne los. Viel zu panisch, um loszuheulen, viel zu langsam, um den Scheißzug noch zu kriegen. Ich renne – hoch die Rampe, rein in den Laden, Koffer schnappen, oh, nicht meiner, sorry, meinen Koffer schnappen, Mann umrempeln, hyperventilieren, Treppe runter, schreien, hoffen, Augen zu und…

DRIN! Puh! jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Ich habs geschafft…beruhigen…atmen..atmen..atmen..Mein Magengeschwür muss faustgroß sein.

Wir fahren, ich male mir aus, wie ich endlich ins Bett komme. Da hält der ICE an. Mitten im Nirgendwo. 2 Minuten, 5 Minuten, 10 Minuten, 20 Minuten (in HH hab ich 15 Min. Zeit in den letzten Zug zu kommen) „Sehr veehrte Damen und Herren, Aufgrund einer Baustelle bla…wir verspäten uns um blabla. Wir bitte Sie dies zu entschuldigen.“ ich kann nur noch leise den Kopf schütteln. Ab jetzt ist mir alles egal. Mein Magengeschwür ist geplatzt. Dann halt nicht…

Eine Antwort to “Eine Odyssee”

  1. philipp 16/09/2011 um 18:41 #

    Schappatmung, Panikschweiß, HyperHyperventilation können dir nichts anhaben! Wuuuuzaaaaa, die Kraft liegt in der Besinnung! Tapferes Fräulein…

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