Die Liebe der Matrosen

26 Mrz

(via)

Es hat einige Zeit gebraucht, bis mir das klar wurde. Aber nun, da ich es weiß, kann ich nicht mehr ignorieren, dass immer wieder ich es bin, die sich die rauen Momente selbst bereitet. Auch wenn ich mir jeweils das Schöne im Schlimmen vor Augen führe – ich bin eine Eberesche, ein Pferd, ein Widder, und in allen drei Horoskopen ist meine prägende Eigenschaft die Zuversicht -, kann ich doch nicht an gegen die Erkenntnis meiner Neigung, mir selbst zu schaden. Eine Lateinklausur zurückzubekommen, die ich wieder einmal nicht bestanden habe, ist, zum Beispiel, ein rauer Moment. Dann kann es noch so amüsant sein, den lächerlichen Triumph in den Augen des Professors zu sehen und in den Gesichtern der anderen Mädchen, die mir das alle gönnen, weil sie breite Hintern und pickelige Gesichter haben, oder umgekehrt, und weil sie sich außerhalb der Uni fast immer langweilen und einzig selbst Hand anlegen können, um diesen Zustand größter Tristesse für einige Momente lächerlicher Ekstase zu unterbrechen, nur um danach entkräftet auf ihren blumig bezogenen Betten liegen zu bleiben und, das wars für heute, zu denken. Ich lächle zwar zurück, ebenso triumphierend. Ich kenne dein Problem, besagt mein Blick, den ich reihum auf die libidinösen Desaster werfe, und ein wenig drücke ich meinen Rücken durch, sodass sie meine Brüste besser sehen können. Aber eigentlich weiß ich, dass mir das alles nichts bringt: Kein Studium, lautet das Urteil, und was mache ich dann?

(via Annette Mingels, Die Liebe der Matrosen)

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