Das Herz von Jenin

22 Jan

(via)

Die Kluft zwischen Palästinensern und Israelis könnte tiefer und schmerzerfüllter nicht sein. Getragen von Tod, Trauer und Hoffnungslosigkeit, zieht sich die Krise des Nahen Osten durch die Jahre und scheint niemals enden zu wollen. Umso bewegender ist da die Geschichte eines 12-Jährigen, dessen Schicksal 5 anderen Kindern das Leben rettet.

Marcus Vetter und Leon Geller dokumentieren eindrucksvoll das Leben einer arabischen Familie, die den Tod ihres Jungen Ahmed, der für einen sinnlosen Krieg sterben musste, zu verkraften hat. Sein Fehler: er spielt während einer Razzia der israelischen Armee mit einem Plastikgewehr auf der Straße. Schüsse in Kopf und Herz töten ihn umgehend. Im Krankenhaus treffen seine Eltern dann eine folgenreiche Entscheidung. Die Organe ihres Sohnes sollen gespendet werden. Lunge, Herz, Nieren, der Tod des jungen Palästinensers schenkte 5 israelischen Kindern ein neues Leben, von denen eines sogar aus einer jüdisch-orthodoxen Familie stammt, die es prinzipiell ablehnt mit Arabern in Kontakt zu stehen und deren Missachtung für die Nachbarn nicht größer sein könnte.

Die Filmemacher begleiten vor allem Ahmeds Vater Ismail Khatib über Jahre hinweg und dokumentieren seine ganz eigene Art der Revolution gegen die Besatzung: die Einwilligung in das Spenden der Organe seines Kindes betrachtet Ismail als Zeichen für die Menschlichkeit, die in diesem Krieg oft schon verloren geglaubt war. Er eröffnet ein Jugendzentrum und vermittelt den Kindern, wie sie durch Bildung, Kunst und Musik einen anderen Weg einschlagen können, der Nichts mit Rache und Märtyrertum zu tun hat. Selbst der Vater der kleinen Menuha, der noch im Krankenhaus gegen die Palästinenser wettert, unwissend, von wem das Organ für seine kleine Tochter abstammt, muss sich irgendwann eingestehen, dass selbst der größte Hass gegen die großherzige Geste des Arabers nicht ankommt.

Ich lege euch diesen bewegenden Film ans Herz, weil er einen ganz nah an diese Familien ranbringt und einen mitnimmt auf die Reise durch das gespaltene Land. Die Betrachtungsweise wird eine Andere und man fragt sich, weshalb es überhaupt so weit kommen kann, dass ein Kind im Krieg zur Welt kommt, ihn tagtäglich ertragen muss und dann auch noch durch ihn umkommt. Wiederholungen laufen am 3.2. um 14.45 Uhr und am 11.2. um 10.40 Uhr auf ARTE.

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