Oliviero Toscani

9 Nov

Wenn man sich wie ich gestern Abend vor Bauer sucht Frau und Navy Quatsch retten wollte, musste man auf den WDR ausweichen und wurde mit einer wunderbaren Reportage über Oliviero Toscani belohnt (die vorher schon auf Arte lief). Erinnert ihr euch noch an die Benetton Bilder, die größtenteils sogar hier in Deutschland verboten wurden, weil sie als radikal und provozierend empfunden wurden? Sie alle stammten von einem Mann, der sich der politischen Ungerechtigkeit verschrieben hat und dokumentiert, wo er nur kann.

Sei es, um sich über den Rassismus zu äußern, Aids-Kranke zu unterstützen oder sich gegen die Todesstrafe einzusetzen. Toscani fährt zu den Orten und lichtet die Menschen ab, um die es geht und trägt sein Material nach außen. Damit stößt er immer wieder an die Grenzen, unüberwindbar und doch so zerbrechlich.

Er fotographiert die Blutverschmier- ten Klamotten eines jungen Soldaten, der im Nah-Ost-Krieg ums Leben kam, lediglich um die Realität des Krieges nach Europa zu holen, und wird verspottet und verboten.

Er veröffentlich das Bild eines Aids- Kranken im Sterbebett, der selbst stets gegen die Ausweisung von Aids-Kranken aus der Gesellschaft gekämpft hat, und wird beschimpft und missachtet.

Toscani setzt sich mit Vorurteilen auseinander und versucht sie aus- zureizen, indem er gegenan fotographiert. So setzt die United Colors of Benetton Kampagne Zeichen, indem sie zum Beispiel ein weißes Baby an der Brust einer schwarzen Frau abbildet, ein Bild, das für Aufruhren gesorgt und für viele zu weit ging. „Wir sind alle irgendwie Rassisten, denn wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen“, Toscani versucht stets die vielfalt der EINEN mensch- lichen Rasse zu betonen und spricht sich gegen viele unterschiedliche Rassen der Menschheit aus.

Der Fotograph holt die Welt der Tragödien in die Welt der Werbung und versucht Menschen aus ihrem religiösen oder politischen Umfeld zu holen, um sie visuell alle vor eine weiße Leinwand zu stellen und sie somit gleich zu machen. Mit „Razza Umana“-die menschliche Rasse, seinem neusten Projekt, beschäftigt sich Toscani mit dem (Un-)Gleichheiten der Menschen in Israel und Palästina. „Wenn ich Menschen in Israel und Palästina vor einer weißen Leinwand fotografiere, dann um sie dort rauszuholen“, meint Toscani und fragt: „Und wenn sie zu keinem Ort mehr gehören, hätten sie dann noch diese Probleme miteinander?“ Die Ergebnisse dieser Bilderreise sind zugleich simpel und doch sehr beeindruckend.

Der charismatische italienische Jack-Nicholson-Verschnitt ist auf jeden Fall ansehenswert und deshalb könnt ihr euch hier die Reportage runterladen und euch selbst überzeugen…(nicht abschrecken lassen, einfach den langsamen Download wählen, 82 sekunden warten, laden und los gehts!)

 

 

 

3 Antworten to “Oliviero Toscani”

  1. blair-itsch@gmx.de 13/04/2012 um 22:14 #

    Ich möchte darauf hinweisen, dass die blutverschmierte Kleidung von einem jungen Soldaten stammt, welcher im Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 gefallen ist und nicht in einem nicht näher definierten Nah-Ost-Krieg.

    • phillippine 14/04/2012 um 09:09 #

      Danke für deinen Hinweis – du hast recht, Nah-Ost klingt sehr fern und uns nicht betreffend…

Trackbacks/Pingbacks

  1. Der Preis unserer Mode: PETA schockiert mit beeindruckender Cross-Channel-Kampagne « stenographique - 07/08/2011

    […] – aus diesem Grund macht der Schock-Ansatz (im Gegensatz zu reinen Print-Kampagnen, wie von Oliviero Toscani für Benetton) durchaus Sinn und nutzt den Ankereffekt zur langfristigen […]

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