And the winner is…

11 Okt

(via)

…langweilig. Kennt man doch eh nicht. Wer gestern Abend fernsehen wollte, konnte zappen, so viel er wollte. Zwischen Navy-Scheiß und dem perfekten Promipimmel gab es noch ein weiteres Downlight, was man unbedingt hätte verpassen sollen: der Deutsche Fernsehpreis. Ausgestrahlt auf der ARD beweihräucherte sich Deutschlands B-Prominenz gestern selbst und lobpreiste ein Fernsehen, bei dem ich mich der Reich-Ranicki-Rede vom letzten Jahr nur anschließen würde. Grottig kann man sagen, echt nicht schön.

2-3 Preisträger waren gerechtfertigt, nur wieso Sturm der Liebe  für die beste Serie oder der Tatort „Weil sie böse sind“ mit der wahrlich sonderlichsten Vogelscheuche Andrea Sawatzki ausgezeichnet wurden, lässt sich nicht nachvollziehen. Jessica Schwarz musste den Preis für die beste Schauspielerin Ulrike Kriener überlassen, die mit einer Serie über WECHSELJAHRE eine Biographie über Romy Schneider wegfegte (auch wenn diese zugegebenermaßen nicht das leistete, was man sich erhofft hatte) und die Fußballnationalmannschaft erhielt den Ehrenpreis, der nur von Oliver Bierhoff entgegengenommen wurde-Lau.

Auch dem Nachwuchs, den Jungschauspielerinnen Michelle Barthel und Carolyn Genzkow, konnte man wenig Professionelles abgewinnen. Wenn man sich nicht vorbereitet hat und es einem an rhetorischen Genie mangelt, dann sollte man einfach den Preis entgegennehmen, sich bedanken und dann verschwinden. Stattdessen murksten da zwei Mädels auf der Bühne rum und brachten ein Kauderwelsch zusammen, für das sie sich spätestens heute schämen werden.

Bevor ich mich aber an jeder einzelnen Verleihung verliere und euch genauso langweile, wie diese Inszenierung gestern, möchte ich noch auf eine Begebenheit hinweisen, die gestern zwar unterging, jedoch erwähnt werden sollte: Die Stifter des TV-Preises, die hohen Tiere aus ARD, ZDF, RTL und Sat.1, hatten vor dem ganzen Prunk die Kriterien für die Verleihung reformiert. Dieses Jahr wurden beinahe alle Kategorien abgeschafft, in denen  Langezeit Menschen geehrt wurden, die hinter der Kamera stehen. Autoren, Komponisten, Regisseure, sie alle standen zwar gestern mit auf der Bühne, wurden aber lediglich als Anhängsel mitgebracht und nicht als Preisträger selbst. Somit standen gestern die im Rampenlicht, die im Prinzip nur das Gesicht aufwendiger Produktionen gaben und diejenigen, ohne die NIX im Fernsehen laufen würde, wurden einfach abgeschnitten und nicht beachtet.

Annette Frier, die ja eigentlich nicht zu meinen Lieblingsgesichtern im TV zählt, stach diesbezüglich als Einzige aus der damit-will-ich-nix-zu-tun-haben-Masse und verkündete bei ihrer Dankesrede, dass sich doch die Beteiligten bitte an einen Tisch setzten, um für 2011 einen Kompromiss zu finden, mit dem alle zufrieden wären:

Im Großen und Ganzen sollten sich die Ausgeschlossenen darüber freuen, an einer solchen Veranstaltung nicht mehr teilnehmen zu müssen. A) sie ist zum einschlafen langweilig, B) die Willkür der Nominierung ist beachtlich und C) so ein Fernsehen, wie man es zurzeit anschaltet, in dem Schwiegertöchter gesucht und schlechte Popstars rekrutiert werden, in so einem Fernsehen sollte man nicht stolzer Mitwirkender sein, sondern kopfschüttelnder Revoluzzer.

 

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