No Excuse

10 Okt

(via)

Der Herbst ist da, die Sonne scheint, der Kopf ist wabbelig, die Zeit vergeht viel zu schnell. Heute ist der 10.10.10. Früher konnte ich es nicht nachvollziehen, wenn alle immer gesagt haben, dass sich im Alter die Zeitwahrnehmung verändert. Klar, ich bin jetzt nicht Oma, aber ich fühle mich wie eine. Ne Großmutti, die im Strudel untergeht, weil sie nicht mitschwimmen kann. Eine, die sich an den Straßenrand stellt, den vorbeifahrenden Autos zuschaut und es nicht schafft in die S-Bahn einzusteigen, obwohl sie doch unbedingt noch bei Lidl einkaufen muss. In ein paar Wochen geht ein neuer Lebensabschnitt los, eine neue Stadt will erobert werden, eines anderes Leben gelebt. Die studentische Idylle weicht dem Großstadtdschungel. Aus Norden wird Süden und auch die Menschen werden ganz andere sein. Ganz, ganz andere. Braucht man für Bayern eigentlich einen Reisepass? Wenn ja, dann muss ich noch ins Amt. Das Wetter, das Essen, das Umland, nichts ist radikaler als ne Kieler Sprotte nach München zu schicken, damit sie sich mit einer Weißwurscht anfreundet. Das klingt spannend. Und beängstigend. Wo man sich doch längst Weltoffenheit zugesprochen hatte, sich à la Into-to-the-Wild in Abenteuer stürzte, merkt man jetzt, dass die ganz großen Abenteuer nichts mit Natur zu tun haben.

Pflanzen essen und sich ne Höhle suchen, das kann jeder. Mit seinem Freund zusammenzuziehen, zu zweit in eine fremde Stadt zu gehen, das ist die wahre Probe. Auf den anderen angewiesen zu sein, sich zu zweit einen neuen Freundeskreis aufzubauen, in München zu leben. Das sind die Abenteuer, die mir bevor stehen. Das wird aber sicher super. Und teuer. Superteuer.

Vorher muss aber noch das Studium beendet werden. Eine Abschlussarbeit liegt auf der Schädelfestplatte und wartet darauf durch die Finger in die Tastatur gehauen zu werden. Aber wie gesagt: der Kopf ist wabbelig. Man starrt auf den Sozialbau gegenüber und wartet auf das vorletzte Sandkorn. Unter Druck zu arbeiten beflügelt ungeahnte Fähigkeiten. Ich hab ja noch ein bisschen Zeit, nich wahr?

Eine Antwort to “No Excuse”

  1. Inkie 18/10/2012 um 14:08 #

    Wie ich schon sagte, erwachsen werden kann manchmal schwer sein. Nun, eine Kieler Sprotte nach München zu verfrachten kingt fast schon diabolisch. Ich habe Mitleid. Ich wurde aus der Hauptstadt in die Landeshauptstadt des Freistaates entführt. Bei Into the Wild war ja die Essenz: „happiness (is) only real when shared“, was wiedrum in der schönen bayerischen Stadt manchmal schwierig sein kann. Denn der gemeine Bayer bleibt lieber unter sich. So habe ich während meines Studiums ausschließlich Nicht-Bajuwaren kennengelernt, trotz mehrer Fehlversuche. Wie erging es dir? Ich wusste gar nicht, dass Lidl einen Online-Versand hat http://chantalsblog.de/?p=5511, also das nächste Mal musst du vielleicht gar nicht zum Geschäft hinrennen.

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