Heimweh

23 Aug

(via)

In letzter Zeit ging es sowohl in der Presse, als auch bei mir persönlich häufig um ein bestimmtes Thema: Immigranten in Deutschland. Komischerweise häuften sich für mich die Geschichten, ein Grund mehr darüber zu schreiben. Angefangen letzte Woche, beglückwünschte ich meinen Kumpel aus Mexiko, der als politischer Flüchtling nach Frankreich kam und vor einigen Tagen ENDLICH seine Aufenthaltsgenehmigung abholen durfte – in Zeiten von Sarkozys Immigrantennazipolitik kein leichtes Unterfangen – er war mehr als glücklich. Glücklich darüber, dass er nun kein Staatenloser mehr ist, dass er die Berechtigung hat irgendwo legal zu leben. In Mexiko ging das nicht mehr. Das Kopfgeld, das auf ihn ausgesetzt war – er setzte sich dort für politische Kriegsgefangene ein – war hoch, die ständige Angst hinter der nächsten Ecke erschossen zu werden groß. Er floh, ließ Freunde, Familie und sein Kind hinter sich, nichtwissend ob er sie jemals wiedersehen würde und kam nach Frankreich, Montpellier. Monatelang musste er zu Behörden, Ämtern und Assoziationen laufen, um sich Gehör zu verschaffen. Glücklicherweise gab es Kontakte und Möglichkeiten und er musste „nur“ ein knappes Jahr warten, bis er nicht mehr zu zittern hatte. Wollen wir von ganzem Herzen hoffen, dass es für ihn dabei bleibt. Mein Freund hatte das große Glück direkt Anschluss zu finden, er durfte umsonst in der Kommune leben und es fehlte ihm nichts.

Nicht ganz so rosig läuft es im Gegensatz dazu für Menschen, die nach Deutschland immigrieren wollen und zunächst in Auffanglagern  bis zu 3 Monaten untergebracht werden. Anschließend steckt man die Schutzsuchenden vor allem in Ost- und Süddeutschen Bundesländern in Sammelunterkünfte  um sie dort schmoren zu lassen. In Berlin dürfen Asylsuchende in Wohnungen leben, laut Pro Asyl leben mehr als 40 000 allerdings in solchen Lagern und das für viele Jahre. Beschweren tut sich keiner, aus Angst deswegen keine Genehmigung zu bekommen. Sie werden „geduldet“, allerdings sollen sie sich anscheinend nicht wohlfühlen, damit sie von selbst auf die Idee kommen wieder abzudampfen. Meistens befinden sich diese Sammelstätten in abgelegenen Ortschaften fernab der Zivilisation, damit keiner sich an ihnen stören muss. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Heimbewohner residenzpflichtig sind, was bedeutet, dass sie den Landkreis, in dem das Lager steht, nicht verlassen dürfen. In der aktuellen Ausgabe der Neon schreiben 4 Asylbewerber, die in diesen Heimen leben, Tagebuch und berichten von der modernen Unterdrückung. Ich kriege Gänsehaut und muss an das Grundgesetzt denken… die Würde des Menschen ist unantastbar… mmh, genau.

Mit meinen Eltern unterhalte ich mich über das Thema, wir überlegen wie es weitergehen soll. Die staatenlosen Kurden, bürgerkriegstraumatisierten Sierra Leoner oder politisch verfolgten Pakistani haben ja nicht nur an den harten Bestimmungen der Einwanderungspolitik zu knabbeln, sie leiden auf vielen Ebenen. Werden sie ihre Familien je wieder zu Gesicht bekommen? Wird es ihnen in Deutschland tatsächlich besser gehen? Können sie sich hier je zuhause fühlen? Was wenn sie wieder in ihr Heimatland zurückkehren aber alles dort befremdlich wirkt? Für viele scheint die westliche Welt das Paradies zu sein. Sie hören von Freiheit, guten Ausbildungsmöglichkeiten und Geld. Nur  genau wie bei einem Lottogewinn, ist die Chance sich als Einwanderer zu verwirklichen sehr gering. Trotzdem macht das Streben danach süchtig und treibt viele in den Tod (wir kennen alle die Bilder und Geschichten der hoffnungsvollen Reisenden, die alles in Kauf nehmen, ihr Leben riskieren, um auf die andere Seite zu gelangen). Oder aber ins Unglück.

Damit kommen wir zum letzten Punkt, der mich zum grübeln bringt: Die Hoffnungslosigkeit der Menschen, die es geschafft haben hier zu leben. Spiegel Online berichtet von türkischen Männern, die in Deutschland leben, es zwischen den Kulturen aber nicht einfach haben. Oft wurden sie früh von ihren Eltern verlassen, als diese hierher kamen, um dann später nachgeholt zu werden. „Aber sie fühlten sich fremd in Deutschland, waren überfordert damit, hier ihr Leben aufzubauen, eine Arbeit zu finden, eine Familie zu versorgen. Die Geschichten vieler türkischer Männer in Deutschland sind geprägt von Heimweh, von fehlender Liebe und von Gewalt. Ehen zerbrachen, zu klein waren die Gemeinsamkeiten der Partner, zu groß der Druck ihrer Familien.“ (SO)

Heimweh, Hoffnung, Hindernisse. Wir erwarten, dass es uns einfach gemacht wird, wenn wir Auswandern. „Die Auswanderer“, „Mein Auslandstagebuch“ in jeder bescheuerten Fernsehsendung läuft für die Migranten alles wie am Schnürchen. Für die Immigranten nicht. Für Asylsuchende noch weniger. Sie befinden sich in der ständigen Angst abgeschoben zu werden und wir kriegen davon noch nicht mal was mit…

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