Unser Sparpaket für die EBS

12 Jul

(via)

Herzlichen Glückwunsch Herr Professor Doktor Esch, da haben Sie ja einen Wahnsinnscoup gelandet! Jetzt, als neuer Leiter des Automobil-Instituts der European Business School, Privathochschule mit Papi-wird-mir-schon-mein-Studium-finanzieren-Charakter, haben Sie es tatsächlich geschafft der JLU Gießen und auch den anderen Unis in Hessen gehörig in den Arsch zu treten. Als einstiger und mutmaßlicher Verfechter staatlicher Universitäten und heimlicher Antiheld lobbyistischer Vereinigungen (wir habens doch schon immer geahnt), hat Ihnen die JLU gezwungenermaßen nun ein Köfferchen gepackt, hat 30 Millionen Euro reingesteckt und Sie frei gelassen, damit Sie ihren wirtschaftlichen Machenschaften nachkommen können. Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist im Moment Thema nummer eins in Gießen. Aber von vorn, von ganz vorn: Vor etwa 2 Jahren besuchte ich das erst Mal die Marketingvorlesung bei einem gewissen Professor Esch.  Unwissend, welche Fäden dieser Herr in der Hand hält, setzte ich mich in diese eine von vielen Unterrichtseinheiten und musste mit staunen feststellen, dass mir das, was der Gute da vorne zu erzählen hatte gefiel. Präsenz, Charisma und Know-How, beinahe 500 Stundenten kamen Woche für Woche, um sich seinen Stoff reinzuziehen. Esch tigerte durch die Reihen, kommentierte iPhones und Rolex Uhren, verkündete stolz vom Herrn Sohnemann und beglückwünschte die Meute zu ihrer Entscheidung ein staatliches Studium an der JLU begonnen zu haben. Als ich dann von Sachkundigen später noch erfuhr, welche Bekanntheit und Anerkennung diesem Prof zugute komme, war ich hin und weg und der festen Überzeugung, dass mein Beginn hier als Marketingstudentin die beste Voraussetzung sein würde, meine langgeplante, erfolgreiche Karriere zu starten…THE END

Naja, so schnulzig wars dann doch nicht und mittlerweile hat sich da auch eine tiefe Kluft zwischen mir und dem bis dato geliebten Professor Esch aufgetan. Aber erst noch ein kleiner, dem Verständnis-entgegenkommender Zwischenschritt: Unser hochangesehener und allseits beliebter Ministerpräsident Roland Koch ist ja schon seit längerem  der Meinung, dass Bildung eigentlich gar nicht so wichtig ist und man deswegen da auch sparen kann. Mitte Mai in etwa kam dann auch Vollstreckerin und Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann und ließ verlauten, dass bis 2015 jede Universität Hessens jeweils 30 Millionen Euro zu bluten hat, damit unser klammes Hessen endlich wieder Spielraum bekäme. Die Folge: Wiesbaden ging Steil, um die 10000 Studenten, Hochschulmitarbeiter und Professoren gingen am Dienstag dem 11.5 auf die Straße und legten den Verkehr lahm. Den Dozenten wurde freigestellt, ob sie den Unterricht ausfallen lassen, die meisten gingen an diesem Tag nicht in die VL, sondern auf die Straße. Außer Darmstadt und Frankfurt weigerten sich die restlichen Hochschulchefs zu unterschreiben und ließen das Krisenargument nicht gelten. Die nächsten Wochen sollen zeigen, wie hart die Schwarz-Gelbe Regierung ihren Plan durchsetzt. Herr Prof. Dr. Mukherjee wird blechen müssen…

Nun kommen wir zu dem Unfassbaren, die eigentliche Veräppelung an der ganzen Geschichte: Die Uni Gießen soll also sparen, Lehrstühle werden gestrichen, den Ansturm des doppelten Abi-Jahrgangs wird sie nicht abfedern können und die Studienverhältnisse sind miserabel (oder ist es normal, dass während des Seminars aus dem Waschbecken grüner Blubberschleim gurgelt und den Rest der Stunde mit seinem Gestank verpestet ? Oder, dass in der kompletten Romanistik keine einzige Toilette funktioniert? Oder, dass Italienisch, als DIE romanische Sprache nicht mehr unterrichtet werden kann, weil der Fachbereich nicht genug Geld hat? Oder, dass nicht genug Kapazität vorhanden ist, um Studienkoordinatoren für die große Anzahl neuartiger Bachelorstudiengänge zu finanzieren ? oder, oder, oder…) An allen Ecken improvisiert und stopft man, überall fragt man sich, wie es in den nächsten Jahren weitergehen wird und was passieren wird mit dem Geld, dass uns hier fehlt?

Ganz einfach! Es wird unverfroren in den Geld-Pott der EBS gesteckt. Die Private Hochschule, bekannt als Bonzenfabrik, will jetzt expandieren und zwar um Juristen und BWL-er auszubilden, die dann direkt in die Automobilindustrie hüpfen können und somit den Kreis der elitärer Inzestgemeinschaft zu schließen. Das Sahnehäubchen oben drauf ist Herr Prof. Dr. Esch, dem hier in Gießen zu wenig für seine Leistung geboten wurde, der nach Wiesbaden ging und damit der JLU nicht nur einen Erstklassigen Namen, sondern damit es auch richtig bitter schmeckt, gleich noch ein bisschen, ein bisschen mehr aus der Uni-Kasse genommen hat. Somit darf er wohl zum König der Halsabschneider gekrönt werden! Als neuer Präsident des erstklassigen Automobil-Instituts der European Business School hat Esch alles erreicht, was es in einem Perfekten Lebenslauf zu erreichen gibt und hat dafür viel in Kauf genommen.

…vielleicht können wir ja auch, wie in Lübeck, einfach irgendein Insitut umwandeln und uns somit von Kochs Gaunerein loslösen und Schleswig-Hollsteins Retterin in letzter Not zu Hilfe holen, damit unsere Unis nicht im Sumpf der Pleite und des Katzenjammers untergehen müssen…

4 Antworten to “Unser Sparpaket für die EBS”

  1. nachrichten 15/07/2010 um 16:09 #

    Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

    Gruss
    Andres

  2. Gastleser 16/09/2010 um 20:07 #

    Zuerst: Der Teil über Roland Koch, die Bildungsausgaben in Hessen, usw. sind richtig und gut recherchiert. Auch der Teil über Esch’s Vorlesung trifft zumindest meine Meinung. Ein paar Fehler hat dein Artikel aber schon. Soweit ich es am Lehrstuhl von Prof. Esch mitbekommen habe geht er aus anderen Gründen.

    Ihm wurde nicht nur kein neues Angebot mehr gemacht, sondern ganz einfach gar keins mehr. In letzter Konsequenz ist Eschs Weggang somit nur ein Ergebnis der „Sparbrötchen“ und „Schmalhans“ Bildungspolitik in Hessen.

    Die Uni hat somit einen erstklassiken Prof. verloren, weil ihnen die Mittel gekürzt werden und leiden dürfen damit wieder die Studenten.

    Ps.: Nein, ich bin nicht vom Lehrstuhl.

    • phillippine 17/09/2010 um 12:33 #

      Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich bin froh zu erfahren, weshalb Esch die JLU verlassen hat und ehrlich gesagt bin ich auch erleichtert, dass er nicht ganz so skrupellos ist. Die Bildungssituation in Hessen ist verheerend und ich muss zugeben, dass ich so schnell wie möglich fertig werden will, damit ich die Uni Giessen verlassen kann. Das Problematische an der ganzen Geschichte ist, dass man nirgendwo Erklärungen für den Wechsel findet und dass sich allein Skepsis anbietet, um das bei Spiegel und Co. Gelesene wiederzugeben! Wahrscheinlich blieb Esch nichts anderes übrig, wenn die JLU kein neues Angebot gemacht hat. Die Wut allerdings, dass diese Uni ihre wahrscheinlich einzig wirklich nennenswerte Geldquelle einfach so gehen lassen muss, weil sie sie lediglich nicht mehr füttern kann, bringt mich zu der Frage, was zuerst da war; das Ei oder das Huhn? Wie soll eine staatliche Universität einen Topdozenten finanzieren, wenn sie 30 Mio einsparen muss, damit das Land nicht mehr zu knabbeln hat? Und wie kann man dann die Situation ernst nehmen, wenn dieser Topdozent von einer Privaten Uni, die nebenbei mit 24,7 Mio Euro staatlich subventioniert wird, ein lukratives Angebot bekommt und dorthin abdampft? Irgendwas passt da nicht zusammen! Aber ich muss im Nachhinein betonen, dass die Schuld nicht bei einer einzigen Person liegt, auch wenn das im Artikel sehr offensichtlich scheint. Die Bildungspolitik in diesem Bundesland ist scheiße, am liebsten würde ich die Klospülung ziehen…

      • gast 29/09/2010 um 14:17 #

        Vieleicht sollte man einen solchen Artikel nicht verfassen, wenn man nicht über die nötigen Hintergrundinformationen verfügt. Einem so angesehenen Professor nicht einmal ein Gegenangebot zu machen grenzt an Dummheit, zu mal, wie man aus Lehrstuhl-Kreisen hört es schon gereicht hätte, die seit einem Jahr vakante Stelle der Lehrstuhlsekretärin zu besetzten. Anderen Professoren wurden auch Angebote gemacht damit sie dem Ruf anderer Uni’s nicht folgen, z.B. neue Büroräume. Aber dafür war warscheinlich kein Geld da, da die Uni lieber jede Woche große Empfänge und Feiern im Hauptgebäude veranstaltet. Dafür ist immer Geld da.

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