Uni Lübeck in Not

16 Jun

(via)

Nicht nur ich sitze in meinem abgedunkelten Kabuff, um meine angeschwollenen bindehautentzündeten Augen zu schützen und dem Licht der Freiheit nachzutrauern, auch die Lübecker Medizinstudenten müssen bangen bald nicht mehr ihre Häupter unter die Hansesonne stecken zu können. Harry will abspecken. Nicht den gemütlichen Winterspeck, nein, Schwarz-Gelb hat entschlossen, dass ab 2012 Schleswig-Holsteins Medizinstudenten nicht mehr im Marzipanparadies, sondern in der wunderschönen Landeshauptstadt Kiel ausgebildet werden sollen. (Ich setze mal in klammern, dass ich natürlich keinerlei negative Kritik an meiner City of heart zu äußern habe, nur ist es wohl verständlich, dass sich nicht nur  die angehenden Mediziner darüber stark wundern müssen). So ziemlich alles spricht gegen eine Umverlegung der medizinischen Fakultät, Kontrapunkt Sparmaßnahme scheint dies nicht wirklich abwiegen zu können. Arbeitsplätze und Unternehmen sind abhängig und speisen ihre Erfolge aus der Wissenschaftsquelle, mit dem Untergang der medizinischen Fakultät, die zusammen mit der technischen-naturwissenschaftlichen den Kern der Uni bildet (bzw. es gibt nur diese zwei Fachbereiche in Lübeck), geht der Rest der noch jungen Bildungsstätte wohl auch bald baden und was man nicht vergessen darf: Die Mediziner-Ausbildung in Lübeck ist bundesweit spitze – sie belegt in dem anerkannten Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) den ersten Platz. (LN). Im Prinzip ist ganz Lübeck von der Misere betroffen, der Krimi Bildungspolitik nimmt ausufernde Maße an.

„Lübecks Uni bleibt!“, mit diesem Slogan setzen die Lübecker Nachrichten ihr Postulat, besser ihre hoffnungslos scheinende, trotzig fordernde Aussage der Landesregierung entgegen. Unterstützung bekommen sie von den rund 10000 angekündigten Demonstranten, die heute Kiel überrennen, um sich gegen die geplanten 24 Millionen-Euro-Einsparungen in ihrem Hood zu wehren. Die Horde, zusammengewürfelt aus Hanseaten, Politikern, aber auch Kieler Studenten (die Verlegung des Fachbereiches nach Kiel bedeutet ja auch Umwälzung und Überlaufen der hiesigen Stätten), Wissenschaftlern, Gewerkschaftlern und Schaulustigen hofft auf das Einlenken des Regierungsclans da oben im Norden und gibt die Hoffnung nicht auf zu retten, was beinah schon besiegelt ist.

Einziger Ausweg kann jetzt nur noch ein von der Uni Lübeck eigens kreirtes Konzept liefern, dass den Anforderungen der Regierung genügt und die geplante Einsparsumme auf andere Weise deckt. Dies wurde am Sonntag von Carstensen und Konsorten genehmigt und setzt Peter Dominiak, Präsident der Uni, ganz schön unter Druck. Gerüchte brodeln. Die Institution in eine Stiftungsuniversität um zutransformieren könnte ein geeigneter Plan sein. Doch noch ist nichts bestätigt und unterschrieben, Zeit sich dem Verlauf der Demo im Fernsehen zu widmen (wenn dies denn ab und zu mit verklebten Augen möglich ist) und abzuwarten, was der Zukunft Lübecks jetzt blüht.

2 Antworten to “Uni Lübeck in Not”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Lübeck - Blog - 16 Jun 2010 - 17/06/2010

    […] Uni Lübeck in Not « eigensinnlich […]

  2. Unser Sparpaket für die EBS « eigensinnlich - 12/07/2010

    […] können wir ja auch, wie in Lübeck, einfach irgendein Insitut umwandeln und uns somit von Kochs Gaunerein loslösen und […]

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